Schreibworkshops 2019 (Archiv)

© / Sebastian Herbst

Nach dem Motto "von den Besten lernen" gab es zur Auswahl acht spannende Schreibworkshops / Meisterklassen mit ausgezeichneten und erfahrenen Autorinnen und Autoren. Die zweiteiligen Workshops dauerten jeweils insgesamt 7 Stunden.

Meisterklasse mit Emilia Smechowski

Reisen nach innen - wie schreibt man ehrlich über sich selbst?
Welche Themen eignen sich für Texte aus der Ich-Perspektive, sowohl im Journalismus als auch in Sachbüchern? Wie schreibe ich persönlich, ohne eitel zu wirken? Wie vermeide ich Nabelschau, obwohl ich tief nach innen blicke? Wie bringe ich andere, fremde Perspektiven mit rein, die meinen widersprechen? Wie erzeuge ich Relevanz? Und wann sollte ich auf einen Ich-Text besser verzichten? Wir werden uns verschiedene Ich-Texte vorknüpfen (vorrangig aus Magazinen) und vergleichen. Und am Ende selbst einen kleinen Text schreiben, der weit davon entfernt ist, ein Tagebucheintrag zu sein.

 

Meisterklasse mit Olga Grjasnowa

Perspektivenwechsel in Erzählungen und Romanen
Was macht eine Perspektive aus und was macht ein Perspektivenwechsel mit unserer Wahrnehmung? Wie können wir diesen vollziehen und beschreiben? Wie bringt dieser unsere Geschichte voran und wo liegt die Wahrnehmungsgrenze?

Meisterklasse mit Franziska Hauser

Ideenchaos aufräumen
Mit Methodenkenntnis geht alles leichter. Im kreativen Schreibkurs werden wir in verschiedenen Übungen ausprobieren, wie man den Anfang macht, wie sich die eigene Form am direktesten finden lässt, wie ein Ideenchaos aufgeräumt wird und wie man den "eigenen Stiefel" durchzieht. Wie kann man in kurzer Zeit eine Figur entwickeln, wie eine Handlung interessant machen? Und wie lassen sich innere Vorgänge zeigen, statt erklären? 

© / Sebastian Herbst

Meisterklasse mit Matthias Nawrat

Zwischen Wirklichkeit und Erfindung
Literatur bewegt sich immer in einem Raum zwischen eigener Erfahrung des Schreibenden, Recherche und Erfindung. Wie mache ich die Geschichte, die ich erzähle, glaubwürdig? Wie viel kann ich erfinden, wie viel muss ich recherchieren? Wie kann ich über etwas schreiben, das ich selbst nicht erlebt habe? In Übungen und Lesebeispielen werden wir verschiedene Typen von Erzählweisen (Erinnerungsprosa, dokumentarische Prosa, phantastische Prosa etc.) kennenlernen und selbst schreiben. Wir werden versuchen, selbst erlebte Geschichten mit erfundenen Elementen anzureichern. Umgekehrt werden wir Geschichten erfinden, die so klingen, als hätten wir sie selbst erlebt. Am Ende vergleichen wir diese Techniken und diskutieren, welche sprachlichen Elemente in einem Text dabei helfen, die Illusion von Realismus zu erzeugen.

Meisterklasse mit Britta Sabbag

Plotten für Kinderbücher und Romane
Die Drei-Akte-Struktur wurde von Aristoteles erfunden und ist seitdem Grundlage für fast jedes Buch, egal ob Kinderbuch oder Roman, Film oder Theaterstück. Wie entsteht diese Skizze und wie detailliert soll sie sein? Eine gute Handlungsstruktur zu bauen erfordert Handwerk, dessen Grundlagen hier einfach und praxisnah erklärt werden. Ohne diese Struktur verheddert man sich in der Geschichte schnell oder langweilt den Leser, ob klein oder groß. Es ist wichtig zu wissen, welche Wendepunkte einer Geschichte wohin führen und warum. Die Drei-Akte-Struktur ist wie ein Navigationssystem im Buchuniversum - es lässt einen ganz sicher richtig ankommen! 

 

Meisterklasse mit Susanne Fritz

Zwischen eigener Betroffenheit und einem universellen Thema
„Das Allerpersönlichste muss das Allerunpersönlichste werden“ (Marie Luise Kaschnitz). Das persönliche Erleben, die eigene Biographie sind wichtige Quellen literarischer Arbeit. Was uns selbst wichtig und hoch dramatisch erscheint, muss „Dritte“ noch lange nicht interessieren. Wie schlage ich Brücken von eigener Betroffenheit ins „Allerunpersönlichste“, Universelle? Wie überprüfe ich meinen Text auf seine Qualität, mit der ich andere zu erreichen hoffe? Der Workshop bietet keine schnellen Strategien, will vielmehr ermutigen zu einer ernsthaften Spracharbeit jenseits literarischer Eitelkeiten.

 

Meisterklasse mit Leonhard F. Seidl

Region und Familie als Fundgrube engagierter Literatur
Die Geschichten liegen nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Familie oder in der Stadt in der man lebt. Wer war bei den Massenverhaftungen im Nürnberger KOMM oder dem Protest gegen die WAA dabei? Was verbindet Ihre Familie mit dem Reichsparteitagsgelände oder der Revolution vor 100 Jahren? Über welche Begebenheit wird in ihrer Familie bis heute nicht gesprochen? Welche Geschichten aus der Vergangenheit schlummern in ihrem Dorf in der fränkischen Metropolregion? In diesem Workshop wird vermittelt, wie Geschichte ansprechend in Romane oder Kurzgeschichten, als Schicksal einzelner Menschen verpackt wird.
Die Teilnehmer/-innen konnten bis zu 5 Seiten Textauszüge und - falls es sich um einen Roman handelt - auch ein Exposé einreichen.

Meisterklasse mit Timur Vermes

Lebendige Dialoge
Zwei Menschen reden. Klingt einfach - und trotzdem bleibt das Ergebnis oft hinter den Möglichkeiten zurück. Was kann ein Dialog leisten? Was unterscheidet bessere Dialoge von schlechteren? Wo soll der Dialog hin? Wo lässt man ihn besser weg? Wer soll ihn überhaupt führen und wie inszeniert man ihn? Über die Analyse diverser Beispiele führt der Workshop zur Entwicklung eigener Dialoge und - bei Bedarf - zur Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.